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Der Erste Weltkrieg im Val di Ledro

Schützengräben und Überreste des Ersten Weltkriegs in den Bergen des Val di Ledro

Heute ist das Val di Ledro ein kleines Paradies für Natur, Sport und Kultur. Vor wenig mehr als hundert Jahren jedoch sah die Lage ganz anders aus. Wie fast das gesamte Trentino war auch das Val di Ledro Schauplatz erbitterter und blutiger Kämpfe: Von 1914 bis 1918 wurde hier der Erste Weltkrieg ausgetragen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte das Val di Ledro zum Österreichisch-Ungarischen Reich und lag genau an der Grenze zum Königreich Italien. Mit dem Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen den beiden Ländern im Frühjahr 1915 verwandelte sich das Tal in ein Schlachtfeld. Kaiserjäger und italienische Alpini standen sich in diesem als „Weißer Krieg“ bezeichneten Konflikt auf den Gipfeln des Val di Ledro gegenüber.

Die Spuren dieser Vergangenheit sind bis heute im ganzen Tal, bis hinauf zu den Berggipfeln, erhalten: Schützengräben, Verbindungswege, Kasematten, in den Fels gehauene Stollen, Unterkünfte und Militärlazarette sind entlang vieler Höhenwanderwege noch gut sichtbar. So wird eine Bergwanderung im Val di Ledro zu einer Gelegenheit, Geschichte aufzufrischen und Neues über unsere jüngere Vergangenheit zu entdecken. In Dromaè, dem äußersten österreichischen Vorposten am Fuß der Cima Oro, kann man dem Österreichisch-Ungarischen Pfad folgen und die Verbindungswege sowie die Baracken der österreichischen Soldaten besichtigen. Unterhalb der Mazza di Pichea, in der Nähe des Riccabona-Stollens, wurde eine der Holzhütten rekonstruiert, in denen die österreichischen Offiziere untergebracht waren. In Saval sind die Überreste des alten Militärlazaretts zu sehen, und zahlreiche militärische Relikte finden sich auch am Monte Nozzolo und am Monte Cadria.

Ein weiterer interessanter Vorschlag ist das Garibaldi-Museum in Bezzecca, das einen dem Ersten Weltkrieg im Val di Ledro gewidmeten Bereich beherbergt. Auf dem nahegelegenen Colle Santo Stefano, dem wichtigsten italienischen Stützpunkt im Val di Ledro, kann man die Beinhauskirche besichtigen und Überreste von Schützengräben und Militärstollen sehen. Der Hügel ist heute ein Militärbeinhaus und eine Gedenkstätte für die Gefallenen beider Seiten; in der kleinen Kirche von Santo Stefano ruht der unbekannte Soldat. Entlang der Gipfel der Ledro-Alpen verläuft schließlich ein Abschnitt des Friedenswegs, der die Frontlinie des Ersten Weltkriegs im Trentino nachzeichnet.

Während des Krieges wurden die Bewohner des Ledrotals in die zentralen Regionen des Reiches evakuiert, vor allem nach Böhmen und Mähren. Bei ihrer Rückkehr fanden sie alles zerstört vor. Aus Osteuropa brachten sie jedoch einige Traditionen mit, die bis heute in der lokalen Küche fortleben: böhmische Gnocchi (Knödel) und Livance (Pfannkuchen), typische Gerichte der böhmischen Küche.

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